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Jeder Zuchtstamm entfernt sich schrittweise vom Ausgangsmaterial,
sonst wäre die Anstrengung der Züchtung umsonst gewesen. Sicherlich unterscheiden sich allein daher die heutigen Bienenrassen in Europa wesentlich von den Herkünften von vor 100 Jahren. Naturrassen, im Sinne des vormaligen spezifischen Eigenschaftspotentials, sind gewiss kaum noch vorhanden, jedenfalls nicht dort wo eine neuzeitliche Bienenhaltung betrieben wird. Dieser Umstand gehört beachtet. Europaweit befassen wir uns gegebenerweise also mit Zuchtrassen. Diese Zuchtprodukte können vom Ausgangspunkt entweder einer geografischen Rasse zugeordnet werden oder aber sie sind, Beispiel Buckfastbiene, das stabilisierte Ergebnis von Kombinationszucht. 


Im Vergleich zur übrigen Landwirtschaft befinden wir uns in einer Sonderstellung,
und zwar aus zweifacher Sicht:

· Die Lebens- und Haltungsformen sind bei Honigbienen nicht standardisierbar. Ja sie variieren sogar bei den Völkern eines einzelnen größeren Betriebes derart stark, dass nur sehr schwierig eine Vergleichsmöglichkeit gegeben ist.  Daher sind Zuchtverbänden enge Grenzen gesetzt.

· Aus genetischer Sicht: Wir befassen uns bei der Honigbiene nicht mit Einzelwesen, wir beurteilen vielmehr ein Konglomerat, welches von Natur aus eine ausgeprägte genetische Vielfalt darstellt und in sich trägt. (Siehe Paarungsbiologie - Volksgemeinschaft - direkte Folgen der Mehrfachpaarung für die Nachzucht, als Gegenstück die Inzuchtanfälligkeit)

In Grenzbereichen der Existenz trennt sich bekanntlich die „Spreu vom Weizen". Ein solcher Grenzbereich kann beispielsweise eine späte  Melezitosetracht (aktuell in Luxemburg) darstellen. Oder ein erhöhter Varroa- und Virenbefall (wird aus dem gesamten deutschen Sprachraum berichtet) .

Der  Züchter als kreativer Mensch

Die Erfahrung lehrt uns nach rund 20 Jahren Varroa: nicht der „große Wurf" wird uns Varroaresistenz bescheren. Vielmehr geht es um das Zusammenfügen vieler, zum Teil unbekannter, Mosaiksteinchen zu einem erfolgreichen Ganzen. Der Kreis schließt sich zum „Konzept der Vielfalt" wenn wir unser Unwissen mit einbeziehen. Dennoch gelten auch hier einige Voraussetzungen: der Züchter sollte

· sich frei machen in seiner Denkweise

· damit er Vorurteile gegenüber dem Unbekannten und dem Neuem abzulegen vermag.

· Mut zum Handeln zeigen.

· keine Angst vor Fehl / Rückschlägen haben.

· beharrlich und unbeirrbar an seinen Zielen arbeiten.


Die Praxis der Bienenzüchtung als Gegenstück zur reinen Analytik?

Zuchtverbände streben in der Regel zunehmend analytische, ansonsten der Wissenschaft zugeordnete Selektionsmethoden an. Beispiele: Leistung - markieren der Waben, abwiegen vor- und nach der



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