Home/Index             Unsere Imkerei         Bienenprodukte         Züchtung         Pubikationen       

ApisJungels  ©



Seite 3/5

das Entfernen kränkelnder oder gar abgestorbener Brutzellen durch die Bienen. Beide Eigenschaften sind aber nicht unbedingt gekoppelt. Um bösen Überraschungen vorzubeugen verlangt die heutige Bienenhaltung auch abgesehen von der Varroamilbe nach einer Koppelung beider Eigenschaften. Der Hygienestatus eines Volkes lässt sich relativ leicht ermitteln durch den sog Nadeltest, wo verdeckelte Brut einheitlichen Alters mittels dünner Nadel durch den Zelldeckel hindurch abgestochen wird. 12 bis maximal 20 Stunden später kann man den Hygienestand verschiedener Völker durch Auszählen vergleichen (auf gleiche Bedingungen, gleichen Standort etc. achten). Mit der bei uns als „Spivac Methode" bekannten Unterkühlung kleiner Brutkreise mittels Konservendose und flüssigem Stickstoff kann man systematisch und relativ schnell ganze Stände testen. Noch schneller ist die Anwendung von Hitze in der Konservendose. In allen Fällen geht es darum, kleine verdeckelte Brutkreise einheitlichem Alters zu schädigen. Untersucht und bewertet wird 12 bis 20 Stunden später das Ausräumverhalten vergleichbarer Völker auf dem gleichen Stand. Bei der endgültigen Auswahl der Zuchtvölker im Frühjahr wenden wir derartige Tests seit vielen Jahren an, nämlich dann, wenn es darum geht unter scheinbar gleichwertigen Zuchtköniginnen einer Linie entscheiden zu müssen.

 

Hygienetests bei der Auswahl der Drohnenvölker.

Der Befund, dass ein Volk allen Hygieneanforderungen entspricht, will nicht bedeuten, dass diese Eigenschaftskombination sich in allen Nachzuchten wiederfindet. Zusätzlich zum normalen Spiel der Erbanlagen bei der Reduktionsteilung spielt ein weiterer Faktor: Ein Bienenvolk besteht väterlicherseits aus 15-20 Gruppen von Superschwestern, entsprechend der Anzahl der Drohnen, welche die Volksmutter begatteten oder mit denen sie besamt wurde. Das Kommunikationssystem eines Volkes bewirkt, dass oft wenige Gruppen eine Eigenschaft im Volk loslösen können. Will man also mühsam erzüchtete Eigenschaftskombinationen in Nachzuchtgenerationen verankern, so ist eine weitere Selektion innerhalb der Drohnensippe welche für die Zucht in Frage kommt notwendig. Als Beispiel sei hier die Drohnenlinie P133 aus dem Jahre 2008 angeführt, da sie von belgischen Kollegen als besonders hygienisch angesehen wird: Ausgehend von 49 im Herbst 2007 in Ertragsvölker eingeweiselten Schwesterköniginnen, alles Töchter der Zuchtmutter 133, welche sich auf einem der Überlebensstände als sehr krankheitsresistent und varroatolerant erwies, wurde eine Auswahl von 32 Völkern einem Hyg-Test unterzogen. Die 11 besten dienten 2008 als Drohnenspender. Selbst hier gilt: Jedes von diesen Königinnen abgelegte Ei das sich zu einem Drohn entwickelte war einer Reduktionsteilung unterworfen, - mit eventuellen negativen Folgen bezüglich der angepeilten Eigenschaft.

Ein weiterer, erweiterter Aspekt der Volkshygiene bezeichnet man als


VSH (Varroa Sensitive Hygienic)

Bereits Prof. Ruttner berichtete von Völkern, in welchen die Milben größtenteils unfruchtbar blieben. Prof. Spivac deutete anders herum: In manchen Völkern wird Mehrfachmilbenbefall der Brutzellen (also erfolgreiche Vermehrung) erkannt und von den Bienen ausgeräumt. Bei Brutuntersuchungen findet man dann, je nach Ausprägung der Eigenschaft, einen mehr oder minder hohen Prozentsatz parasitierter Brutzellen ohne Jungmilben, also Nachkommen. Hierdurch wird die Entwicklungsdynamik der Milbenpopulation empfindlich gestört. Das Brutnest solcher Völker sieht gegen Ende der Saison mosaikartig aus, die Brut ist aber nicht unbedingt krank. Wir werden in den nächsten Jahren versuchen, potenzielle Zuchtvölker auf diese Eigenschaft hin zu überprüfen: Ende Juli/Anfang August (also vor der Hauptbehandlung) werden von diesen Völkern  größere verdeckelte Brutflächen mit mindesten 17 Tage alten Puppen (die Augen sind deutlich gefärbt) eingefroren. Die Untersuchung und Auszählung kann dann im Winter erfolgen. Die kommende Züchtertagung der FUAL Zuchtgruppe wird sich intensiv mit diesem Thema befassen.