Mit den für das Bienenvolk weitaus gefährlicheren Folgen eines Gen- und damit Eigenschaftsverlustes eines Zuchtstammes durch übertriebene Vereinheitlichungsbestrebungen setzt sich in der Literatur kaum jemand auseinander.

In meiner Einleitung habe ich versucht die Wichtigkeit der genetischen Vielfalt und deren essentielle Bedeutung für das "Funktionieren" des Bienenvolkes hervorzuheben.

Reinzucht, speziell aber Inzucht wird von Züchtern betrieben um gewisse wünschenswerte Eigenschaften des Zuchtstammes zu intensivieren und genetisch zu festigen.

Je intensiver und zielstrebiger - in Bezug zu den in Frage stehenden Zuchtzielen- die Auslese und erneute Verpaarung erfolgt, desto schneller stellt sich Erfolg ein:

- Reinzucht und in stärkerem Masse noch Inzucht uniformiert, sie schafft bei richtiger Auslese und entsprechend exakter Verpaarung Reinerbigkeit in den begehrten Eigenschaften. Aber sie verringert logischerweise deren Vielfalt, mit den zuvor erwähnten
und bekannten Folgen.

Ich darf das arteigene Verhalten der Honigbiene in diesem Zusammenhang an 2 gegensätzlichen Beispielen aus meiner Praxis erklären:

- Auf unserem Zuchtstand werden alljährlich 240 Königinnen, Reinzuchten sowie verschiedene Kreuzungen nach der Methode Br. Adams überwintert. Ab Juli stellt sich hier allmählich in Folge Trachtmangels ein extremer Räubereidruck ein. Genauso progressiv reagieren die Völkchen mit verstärkter Fluglochwache. 2-3 Völkchen lassen sich alljährlich ohne jede Gegenwehr still und heimlich ausräubern. Erfahrungsgemäß sind diese Einheiten rettungslos verloren, sie besitzen einfach nicht die Fähigkeit zum Aufbau einer wirksamen Fluglochwache.

Wohlgemerkt, ich fand dieses Verhalten sowohl bei übelsten Stechern wie auch bei sanftmütigsten Völkchen, allerdings immer und ohne Ausnahme in irgend einem Zusammenhang von Inzucht.

Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, daß selbst starke Ertragsvölker, im Spätsommer frisch auf den Zuchtstand verbracht, zunächst vor einer Ausräuberung durch die Begattungsvölkchen nie sicher sind. Erst allmählich muß sich auch hier, gemäß der extremen Gegebenheit eine wirksame Fluglochwache entwickeln.

Vorbedingung ist allerdings in jedem Fall eine entsprechende genetische Disposition.

Ähnliches Verhalten gegenüber den Larven der kleinen Wachsmotte konnte ich ebenfalls wiederholt beobachten.

In einem speziellen Fall auch gegenüber der Kalkbrut! Genauer gesagt benötigten im Falle der Kalkbrut, wo innerhalb kürzester Zeit der ganze Zuchtstand infiziert war, die ausreichend resistenten Völkchen etwa 4 Tage zur Reaktion durch Ausräumen und Beseitigung der Mumien. Innerhalb von 10 Tagen erfolgte eine vollkommene Selbstheilung bei 90 % der Begattungsvölkchen, der Rest blieb befallen bis zum Herbst.



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