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Die geographische Rasse
Der schwedische Arzt und Botaniker Carl von Linné (1707-1778) legte mit seiner 1735 in erster Fassung erschienenen Systematik der Natur (Systema naturae) die Grundlagen für die moderne biologische Klassifikation. In dieser Klassifikation erhielt die Honigbiene nach etlichem hin und her den Namen "Apis mellifera". Entsprechend der Einteilung von Linné werden die Namen der Unterarten, der Rassen also, dem Artennamen angehängt, und mit dem Namen des Entdeckers ergänzt. Einige Beispiele:
Da Linné als erste die nordisch dunkle Biene seiner Heimat im Jahre 1758 näher beschrieb, erhielt diese die Bezeichnung "Apis mellifera mellifera Linné, 1758".
Die Carnica heißt "Apis mellifera Carnica Pollmann, 1879".
Als Br. Adam 1958 die Honigbiene Kretas, die bis dahin in Fachkreisen oft der griechischen Rasse zugeordnet wurde, beschrieb, und die konservierten Bienenproben viel später von Prof. Ruttner u. Mitarbeitern taxonomisch erfaßt wurden, konnte der Nachweis erbracht werden, daß es sich hierbei um eine eigenständige Unterart (Rasse) handelte. Ruttner gab ihr den Namen "Apis mellifera adami Ruttner, 1975".
Inzwischen sind aufgrund von Merkmalsuntersuchungen etwa 25 verschiedene geographische Rassen von Apis mellifera beschrieben worden (Br. Adam, auf der Suche, 1966 und 1983; Prof. Ruttner; Naturgeschichte der Honigbiene, 1992). Im Wesentlichen ist deren Entstehung in engem Zusammenhang mit der Evolutionsgeschichte unserer Erde zu sehen. Etliche dieser geographischen Rassen sind heute vom Aussterben bedroht, resp. sie sind in ihrer einstigen Form bereits inexistent (beispielsweise unsere einheimische dunkle Varietät). Die Gründe hierfür sind verschieden und können gewiß nicht einfach mit einem einseitig negativ dargestellten "menschlichen Eingriff" abgetan werden. Zu diesem Thema wäre sicher näheres zu sagen.
Der Begriff "geographische Rasse" bezieht sich also auf die erfaßbaren, durch Naturauslese (genetische Anpassung) entstandenen Typen der Art. Es handelt sich bei den Honigbienenrassen nicht, wie oft falsch dargestellt, um homogene "geschlossene" Populationen. Vielmehr garantiert die Paarungsbiologie der Honigbiene eine für das Überleben dieser Art notwendige "übergreifende" Variation, sowohl innerhalb individuelle Völker als auch zwischen den Völkern einerund der gleichen Region. Die Evolution ist ein beständiger Prozeß, bei dem es keinen Stillstand gibt. Wobei das Zuchtziel der Natur immer das gleiche ist: Die Erhaltung der Art.
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