I. Einleitung:

Reinzucht von geographischen Rassen, Züchtung innerhalb geschlossener Populationen von Zuchtstämmen, Zuchtprogramme auf der Basis von Reinzucht etc. sind Schlagwörter. Gleichzeitig wird von etlichen Seiten zusätzlich mobilisiert gegen alle Andersdenkenden (1).

Tüchtige Praktiker in Zuchtfragen hingegen stellen seit vielen Jahren die Züchtung innerhalb geschlossener Populationen als (alleinige) Zuchtmethode aufgrund der extremen Inzuchtanfälligkeit der Honigbiene in Frage. Allen voran stand natürlich Br. Adam (1887-1997) durch dessen Veröffentlichungen sich die Warnungen vor unbedachter Reinzucht bei der Honigbiene wie ein roter Faden ziehen. Seit die instrumentelle Besamung von Bienenköniginnen ihre vorerst der Wissenschaft zugeordnete Stellung an die Zuchtpraktiker abgeben mußte, wodurch eine wirkliche Paarungskontrolle vielerorts erst ermöglicht wurde, mehrten sich die in der Praxis gewonnenen Negativerfahrungen hinsichtlich Fortführung und Erhaltung von Zuchtstämmen.  Liest man auf der anderen Seite die Veröffentlichungen von Zuchtverbänden, so treten hier krasse Widersprüche zutage. Zu deren Aufklärung könnte eine nähere Betrachtung folgender Fragen dienen:

- Handelt es sich bei den über viele Generationen fortgeführten Zuchtstämmen tatsächlich um Reinzuchten?

- Wie kommen die gegensätzlichen Auffassungen zustande? In Zuchtverbänden wird die Zuchtarbeit heute vorzüglich dokumentiert.

- Spielt sich in der gängigen Praxis (unbewußt) anderes ab als auf dem Papier dargestellt wird?

Die Fragen sind gewagt, stellen sie doch einen Großteil der bisherigen Zuchtarbeit bei der Honigbiene, oder besser gesagt deren Interpretation, in Frage. Und dennoch, die (wenigen) bisherigen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Paarungskontrolle mittels genetischem Fingerprinting sprechen eine eindeutige Sprache und brachten meist überraschende Ergebnisse zutage. Die folgenden Überlegungen sollen der Frage aus dem Blickwinkel der Praxis nachgehen.


II. Die möglichen Irrtümer:


Drohnen als Söhne von Arbeitsbienen (praktische Erfahrung)

Die Mehrzahl der Imker im deutschsprachigen Raum praktiziert auch heute noch eine Betriebsweise ohne jede exakte Trennung von Brut und Honigwaben. Entweder werden Brutwaben in die Honigräume umgehängt, oder aber es wird ohne Absperrgitter



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Reinzucht bei der Honigbiene, Mythos und Wirklichkeit

Paul Jungels

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